31. Dezember 2023
Beginnend mit einigen für mich unbekannten expressionistischen Arbeiten auf Papier, führt die Ausstellung zu seinen „typischen Motherwells“ – archaisch anmutenden Werken in schwarz, die dem Ausstellungstitel „Pure Painting“ formal gerecht werden. Vor allem seine „Elegies“, ca 150 Werke von 1948 bis zu seinem Tod 1991, die sich auf den spanischen Bürgerkrieg beziehen– waren für ihn in ihrer emotionalen Strenge Symbol von Leben und Tod. Spannend auch, wie er dazwischen...
10. Dezember 2023
Oskar ist weltberühmt – Herbert ist österreichberühmt. Kokoschka ist ein sehr guter Zeichner. Boeckl ist ein herausragender Zeichner. Die Ausstellung in der Albertina Modern beweist dies nachdrücklich. Woran liegt es, dass nicht Boeckl weltberühmt ist? An seiner vielleicht resignativen Bescheidenheit gegenüber Kokoschka oder an dessen mit aller Raffinesse betriebenen Ego-Laufbahn des herausragenden Kunststars. Wie auch immer – Beide haben diese wichtige gemeinsame Ausstellung...

30. November 2023
Schönheit? Christusverehrung? Blaue Pferde? Verschönte Portraits? Entlein im Teich? Millionenfach Nacktes? Formloses? Reales? Hochgejubeltes? Verschmähtes? Vergessenes? Wiederentdecktes? Galeriekurzzeitware? Museumsewigkeit? Könnte natürlich ewig fortgesetzt werden diese Hinterfragerei. Was war und ist Kunst aber wirklich? Wer oder was hat das Recht oder die Fähigkeit des Hinterfragens? Außer den zeitgeistverblendeten oder immer schon Allesbesserwissern natürlich. Und was ist mit mir?...
28. November 2023
Es geht bei Helnweins Bilder nicht darum, wie sie maltechnisch optimales kunsthandwerkliches Können ausstrahlen. Das tun sie immer schon. Es geht bei seinen Bildern nicht nur um die Formatgröße, die bei seiner Maltechnik aber doch auch eine wichtige Rolle spielt. Denn mit jedem Quadratdezimeter mehr wächst auch der Wau-Effekt des Betrachters. Ich stehe vor seinen Bildern und bin emotional betroffener als wahrscheinlich noch vor fünf Jahren. Denn ich sehe nicht nur Helnweins schmerzende...

17. November 2023
Art&Antique - die letzte Wiener Kunstmesse für 2023 - und auch sie mit einer Veränderung, die sich mehr und mehr manifestiert. Jahr für Jahr gibt es in etwa eine gleiche Anzahl von AusstellerInnen mit dem Wort Galerie im Namen - und Jahr für Jahr ist das Wort Galerie im Namen leider oft eine Irreführung. Sollte eine Galerie auf einer Kunstmesse nicht ihr Galerieprogramm zeigen? Ihre KünstlerInnen die sie entdeckt hat, aufgebaut hat, betreut? Warum spielen dann die meisten Galerien auf...
07. März 2020
Die derzeitige Kunstproduktion ist vorrangig geprägt von politischen Botschaften und politischen Statements. Und zwar in einem überbordenden Ausmaß. Manchmal zwar mit viel kunsthandwerklicher Raffinesse, aber oftmals überwuchert mit aggressiver, tagesaktueller, banaler Fake-Chuzpe. Aber was solls, denken sich die Kunstschaffenden – Hauptsache die erregte Aufmerksamkeit hilft zur kurzfristigen Zeitgeistbekanntheit. Und da sind folgende mögliche Attribute (kleine Auswahl) für ein...

02. Februar 2020
Ich erkenne das Magische der Linie – ich erkenne und spüre, wenn eine Zeichnung bedeutsam ist. Wenn sie das Besondere, das Meisterliche, das Essenzielle hat. Ich weiß nicht so genau warum. Warum mir dieses Empfinden bei der Malerei nicht so klar und eindeutig gegeben ist. Ist es die Größe – großformatige Zeichnungen zB berühren mich auch eher wenig. Ist es die durchschnittliche Farbwucht eines Bildes? Ist es die oft aufdringliche, vordergründige, gesellschaftspolitische, zeitgeistige...
31. Dezember 2019
Das 2019er ist um. Ich habe in diesem wie immer viel gelesen – viele Feuilletons – viele Kunstzeitschriften. Viele Anregungen und Verwunderungen. Und viele Verwundungen. Denn es wurde auch mit viel kulturellem Blabla, viel egoistischem Kunstdefinitionsterror und viel Zynismus in so manch scheinbar offenen Kunstwunde gestochert. Tenor alles läuft falsch. Zu wenig Künstlerinnen. Zu viele alte, weiße Kunstmänner. Zu viele Galerien. Zu viele Auktionshäuser. Viel zu viele, viel zu teure...

19. Dezember 2019
Das Ätzende an der aktuellen Kunstszene ist die geistlose Versäumnisangst einer gehetzten, hybriden, hyperglobalitätshörigen Kunstadabeierei. „Müssen wir wirklich zu jeder Biennale fliegen, zu jeder Kunstmesse? Kontemplation und Verdichtung auf einen Gegenstand, einen Ort oder eineSituation war doch das größte Versprechen, das Kunst zu bieten hat“. (Daniel Völzke)Wie wäre es, als kunstliebende Wienerin/Wiener gemütlich in die Albertina oder ins KHM gehen und sich ganz bescheiden...
21. November 2019
Begonnen haben wir mit der Lassnig-Ausstellung. Und bei der Ergehung/Eroberung/Empfindung ihrer wunderbaren Bilder meine resignierte Erkenntnis: Warum weiß ich erst heute, welche herausragende Künstlerin sie wirklich war. Warum habe ich das nicht bereits früher erkannt, gespürt? Warum bisher eher Rainer? Warum haben seine Bilder nachdrücklicher mit mir gesprochen, und nicht die von Lassnig. Grund zum Schämen? Bin nicht gewillt dazu. Nur ein Dankeschön an die Albertina für diese meine...

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